25220308 Das Bild der fliegenden Muschel aus Stoff: Paradoxien und Bedeutungen der byzantinischen Ikonographie zwischen Antike und Renaissance
| Beginn | Do., 15.01.2026, 18:30 - 20:00 Uhr |
| Kursgebühr | 10,00 € |
| Dauer | 1 Termin |
| Kursleitung |
Julia Matveyeva
|
Die byzantinische Ikonographie spricht in Andeutungen und Metaphern – durch ein Gewebe von Symbolen. Eines der rätselhaftesten Bilder ist das der Muschel – nicht nur aus Perlmutt, sondern auch aus Stoff gefertigt. Obwohl dieses Motiv in der byzantinischen Kunst weit verbreitet war und folglich für die damaligen Künstler klar verständlich, wird es heute oft nur als dekoratives Detail wahrgenommen. Dabei bleibt der eigentliche Bildparadox unbeachtet: Eine harte Muschel kann nicht aus weichem Stoff bestehen – und noch weniger schweben. Warum also wurde sie damals so selbstverständlich dargestellt, während wir heute kaum innehalten, um ihre Bedeutung zu hinterfragen?
Das Symbol begegnet uns häufig: in Szenen mit Christus, den Aposteln, der Gottesmutter, Evangelisten, Propheten, der Trinität und der „Begegnung mit Thomas“. Diese Vielfalt wirkt zunächst ungeordnet, doch sie folgt einer inneren Logik – wenn man die antiken Ursprünge kennt und ihre Bedeutung für die byzantinischen Künstler versteht.
Das Verständnis dieser Bildsprache verlangt einen interdisziplinären Zugang: Symbolgeschichte, Theologie, Liturgie, Architektur – und sogar eine „fantastische Biologie“ des frühen Christentums. So eröffnet sich ein neuer Blick auf die byzantinische Kunst: nicht als starr reglementiertes System, sondern als Raum für freies, schöpferisches Denken, das bis in die Renaissance hineinwirkte.
Termine
Für diesen Kurs sind keine Termine vorhanden.

